Freisinnblog ist umgezogen

Thorben Wengert  / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Nun ist unser Blog eine Woche im Netz. Der Zuspruch hat uns nicht nur gefreut, sondern die Anzahl der Klicks hat uns sogar ein wenig überrascht. Um unser Angebot – das unrsprünglich aus einer Laune heraus entstanden ist – nun noch zu verbessern, haben wir uns entschlossen umzuziehen. Ab sofort erreichen Sie uns unter www.freisinnblog.de

Noch einmal vielen Dank an die sehr gut Aufnahme unseres Angebots.

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»Der Gigant im Reich Gottes«

von Stefan Rochow

Pater Werenfreid mit seinem legendären Hut

Pater Werenfreid mit seinem legendären Hut

Heute wäre Pater Werenfried van Straaten (1913-2003) 100 Jahre alt geworden. Auf seinem Grabstein in Königstein, fasst eine Inschrift sein Leben prägnant zusammen:

»Man nannte ihn Speckpater,
Kämpfer für den Frieden,
Bettler Gottes für die Armen der Welt.
Priester aus holländischer Lehrerfamilie,
Vertrauter von vier Päpsten,
Freund von Heiligen,
Beschützer von Verfolgten und Unterdrückten,
Brückenbauer für die Einheit der Kirche.
Hüter der christlichen Familie.
Gründer von “Kirche in Not”.
Mann unerschütterlichen Gottvertrauens.«

Es gab viele Spitznamen, die den Prämonstrantenser-Mönch zu Lebzeiten umgeben haben: Speckpater, Bulldozer, Dampfwalze, letzter General des Kalten Krieges. Alles beschrieb die Persönlichkeit von Pater Werenfried. Selbst als Kardinal Frings aus Köln ihn einmal einen »modernen Dschingis-Khan« nannte, der alles mitnimmt, was er auf dem Weg findet, lag er damit nicht falsch. Er selbst hingegen liebte seinen Spitznamen »Speckpater«. Diesen trug er nicht, weil er in jungen Jahren ziemlich korpulent gewesen ist. Nein, diesen Namen trug er, weil Feindesliebe für ihn nicht nur eine leere Worthülse gewesen ist.

Schon 1944 gründete er die sogenannte »Anti-Hass-Liga«. Deren Mitglieder verpflichteten sich unter anderen, wenigstens einmal am Tag ein kleines Gebet für seine ärgsten Feinde zu sprechen.

Nach dem 2. Weltkrieg, wurde Pater Werenfried van Straaten aber besonders gebraucht. Millionen deutscher Heimatvertriebener lebten in den unwürdigsten Verhältnissen. Viele hausten in wirklich miesen Unterkünften.  Pater Werenfried erinnerte sich hier an die Weihnachtsgeschichte. Auch hier hatte die Heilige Familie keinen Platz. In der Weihnachtsausgabe seiner Abtei-Zeitung rief er zur Nächsten- und Feindesliebe auf. Er, der miterlebt hatte, was die Deutschen seinem Volk angetan hatten, schrieb unter der Überschrift »Kein Platz in der Herberge« über das unsägliche Leid der Heimatvertriebenen. Er bat seine Landsleute, die oftmals einen Verwandten durch Deutsche verloren hatten, um Unterstützung für den Feind:

»Hundert Kilometer ostwärts liegt eine Stadt in Trümmern. Es ist fast nichts mehr davon übrig, nur ein riesenhafter Bunker, wie sie die Deutschen überall gebaut haben, um die Bevölkerung vor den Bomben zu schützen. Die übrig gebliebenen, völlig verarmten Menschen der Stadt, hausen in diesem einzigen Bunker. Tausende hocken hier beisammen.  Es herrscht ein verpesteter Gestank. Jede Familie – soweit man noch von Familien sprechen kann – liegt zusammengepfercht auf einigen wenigen QuadratmeternvBeton. Es gibt weder Feuer noch Wärme, es sei denn die Wärme anderer Körper, woran man sich festklammert… Und Christus will auch in diesen Menschen leben – es sind übrigens unsere katholischen Brüder – mit Seiner lilienweißen Reinheit, Seiner Nächstenliebe und Güte. Die Hirten haben Christus in einem Stall angebetet, aber diese Leute haben noch nicht einmal einen Stall. Nach menschlichem Ermessen kann Christus dort nicht leben, weil kein Platz für ihn da ist … Das ist die Not Christi.« Weiterlesen

Ein Blick zurück: Die Argumente kenne ich gut

Dieter Schütz  / pixelio.de

Dieter Schütz / pixelio.de

von Stefan Rochow

Ich kann mich noch gut an die Rede von Martin Walser in der Frankfurter Paulskirche  erinnern.  Stehend applaudierten hier die Anwesenden, als Walser von Auschwitz als einer »Moralkeule« spracht. Das war im Jahr 1998. Ich empfand diese Worte Walsers damals als eine vermeintliche Befreiung. Endlich sprach jemand das aus, was viele Menschen in Deutschland dachten. Schließlich müssten wir uns ja nicht alles gefallen lassen. Kritik an Israel – das könne doch endlich erlaubt sein.

Wenige Jahre später war es dann der Hau-Drauf der FDP,  Jürgen Möllemann, dem meine Sympathie galt. Mich interessierte damals weniger, was er sagte. Vielmehr war es die Form des Umgangs mit ihm, die mich wütend machte. Ein wahrer Orkan von Ablehnung brach über ihn herein. Ich habe, das merke ich immer wieder, eine Vorliebe für »Outlaws«. Nicht immer  gleich mit den Wölfen zu heulen, kann einerseits eine angenehme Eigenschaft sein. Andererseits bedeutet das auch, ständig unter Beschuss zu stehen. Das ist nicht immer angenehm.

Mancher wird sich an dieser Stelle an Günter Grass sein »Was gesagt werden muss« erinnern, was im vergangenen Jahr Furore machte. Ich empfand es damals nicht als notwendig, was Grass da »gealtert und mit letzter Tinte« von sich gab. Im Gegenteil: Ich empfand damals, dass Grass es in seinem veröffentlichten Gedicht an moralischer Integrität und Aufrichtigkeit fehlen ließ. Mir erschienen die Aussagen dort einfach zu kaltschnäuzig.

Diese damaligen Empfindungen, teilte ich – das kommt bei mir selten genug vor – mit der Mehrzahl der Menschen in unserem Land. Ich sagte es aber nicht aus Opportunismus heraus, sondern weil ich fest davon überzeugt war.

Ich hatte damals, kurz vor der Veröffentlichung des Grass-Gedichts, einen Vortrag des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden, Stephan Krämer, in Schwerin besucht. Ich begann mich damals mit der Lage der Juden in Israel auseinanderzusetzen. Plötzlich war alles nicht mehr so schwarz-weiss.

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DIE LINKE will die privaten Krankenversicherungen abschaffen

566447_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deVon Andreas Molau

Die DDR ist vorbei, möchte man der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag zurufen, wenn man sich deren Antrag zur Abschaffung der Privaten Krankenversicherung als Vollversicherung auf Drucksache 17/10119 durchliest. Begründet wird der Antrag mit der Behauptung, das Nebeneinander einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und einer privaten Krankenversicherung (PKV) führe in Deutschland zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Außerdem, so nörgelt die Fraktion DIE LINKE, sei das System in Europa einmalig. Weiter heißt es in der Begründung des Antrages: „Eine beitragsfreie Familienversicherung gibt es in der privaten Krankenversicherung nicht. Dadurch versichern sich gesunde, junge, kinderlose und gutverdienende Menschen, wenn sie die Voraussetzung für die Versicherungsfreiheit erfüllen, eher privat. Dem solidarischen Gesundheitssystem werden dadurch Beiträge von diesen Personengruppen entzogen.“

Es ist die alte Krankheit des Sozialismus – von der LINKEN bis zur NPD, die ebenso eine Einheitskasse für alle will, jede Form von Vielfalt im Keim ersticken zu wollen – zugunsten einer von moralischen Maßstäben konditionierten gesellschaftlichen Homogenität. Die knapp neun Millionen Menschen in Deutschland, die sich heute privat versichern, werden von der Linken per se als unsolidarisch denunziert. Dabei sind es häufig die PKVs, die durch die hohe Zahlungskraft und den Zahlungswillen ihrer Mitglieder medizinische Innovation voranbringen und damit auch den Mitgliedern der GKV nutzen. Dass den Sozialisten die Privaten immer ein Dorn im Auge sind, ist nachvollziehbar. Denn hier redet der Staat weniger in die Gesundheitsversorgung rein. Und selbstbestimmte Menschen waren noch nie das Ziel sozialistischer Entmündigungspolitik. Schließlich sind es die Beiträge privater Zahler, die vielen Ärzten noch ein Auskommen ermöglichen und damit für die Gewährleistung der Gesamtversorgung beitragen. Dass wir in Deutschland allmählich einen Ärztemangel zu beklagen haben, ist den Genossen offenbar noch nicht aufgefallen.

Dass der Antrag, der heute um 18.45 Uhr in die erste Lesung kommt , abgelehnt werden wird, davon ist auszugehen. Aufatmen wird man trotzdem nicht können. Denn das Gesundheitssystem wird auch ohne die Anträge der LINKEN immer dirigistischer. und womöglich kommt derlei ähnlich lautend das nächste Mal von Grünen oder der SPD.

Nähere Informationen gibt es beim Verband Privater Krankenkassen.

Andreas Molau twittert auf  twitter.com/andreas_molau.

Bild oben: Gerd Altmann  / pixelio.de

Weiß die SPD noch, was Wähler wünschen?

612644_web_R_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft_pixelio.deVon Andreas Molau

„Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“. Dieser Werbeslogan aus meiner Kindheit ging mir durch den Kopf, als ich jetzt im Radio hörte, wie der nur mäßig charismatische Spitzenkandidat der Sozialdemokraten im aktuellen niedersächsischen Landtagswahlkampf, Stephan Weil, die Wahlen nun doch noch für sich entscheiden will. In den Umfragen liegen die Blöcke CDU/ FDP sowie SPD/ Grüne so ziemlich gleichauf. Weil hat darüber hinaus die Option der Duldung durch die SED-Nachfolger in Niedersachsen, die mit der sympathischen Sarah Wagenknecht auf der Wahlkampfzielgeraden noch punkten könnten. Das waren noch Zeiten, als die Dienstleister zu wissen vorgaben, was die Zielgruppe wünscht. Die SPD scheint jedenfalls zur Zeit etwas desorientiert zu sein, worauf Wähler Wert legen. Anders kann man sich den personifizierten Unsympath Steinbrück nicht erklären. Bei Weil muss man einräumen, wahrscheinlich war einfach nicht viel mehr im Personalbestand der Sozialdemokraten in Niedersachsen vorhanden. Welcher PR-Berater aber dafür verantwortlich ist, dass die SPD nun verspricht, den Bürgern Steuerfahnder ins Haus zu schicken, das wissen wohl wirklich nur die Götter.

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Generalverdacht, profilierungssüchtiger Professor und ein Skandal, der eigentlich keiner ist

Formal Portrait of Bishop Carey of BakerVon  Stefan Rochow

Oh je, in der vergangenen Woche stand mein Club unter Beschuss. Ich meine nicht irgendeinen Fußballclub, sondern die Kirche. Bei allen möglichen Gelegenheiten, werde ich nun zick-zack laufen müssen.  Man möchte verzweifeln: Was ist denn jetzt wieder schief gegangen?

Die Journalisten – diesen Eindruck hatte ich in der Berichtserstattung –  standen sprungbereit Gewehr bei Fuß, als Christian Pfeiffer der Deutschen Bischofskonferenz  (DBK) Zensurabsichten vorwarf. Mit großem Eifer wurde die These unters Volk gestreut, dass die Kirche sich nun aus der Aufarbeitung der vor drei Jahren öffentlich bekannt gewordenen Missbrauchfälle verabschiedet hätte.  Die Beteuerung der Bischofskonferenz, dass man sich doch nur von einem Auftragnehmer getrennt hätte, weil das Vertrauensverhältnis gestört gewesen sei, ging da erwartungsgemäß unter. Wenn die Öffentlichkeit erst einmal Blut geleckt hat, dann gibt es kein Halten mehr. Dann ist nicht der Teufel, sondern die Masse los. Ich weiß nicht, was am Ende schlimmer ist?

Dabei wäre es natürlich viel zu einfach, wenn man nun versuchen wollte, den Journalisten und der Öffentlichkeit alleine den »schwarzen Peter« zuschieben zu wollen. Einfache Strickmuster sind in Auseinandersetzungen immer sehr beliebt. Leider führen sie selten an den Kern des Problems heran. Außerdem ist das Thema sexueller Missbrauch an Minderjährigen kein Thema, bei dem man die Sensibilität vergessen darf. Genau dass scheint bei den Zerwürfnissen zwischen Christian Pfeiffer und der Bischofskonferenz aber stattgefunden zu haben. Weiterlesen

Erzwungene Solidarität

Etienne Rheindahlen  / pixelio.de

Etienne Rheindahlen / pixelio.de

Von Stefan Rochow

Seit Jahresbeginn gilt der neue Rundfunkbeitrag. Für die meisten Haushalte ändert sich nichts. Nur diejenigen, die aus den verschiedenen Gründen auf die Anschaffung eines Rundfunggerätes verzichtet haben, werden nun pauschal zur Kasse gebeten. Damit ist aus der Abgabe für Menschen, die das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nutzen möchte, eine Zwangssteuer geworden.

Der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor, hat für diesen Umstand in den letzten Tagen das Wort „Solidarbeitrag“ benutzt. Ich frage mich aber, warum ich zwangsweise Solidariät mit etwas leisten soll , was ich unter Umständen gar nicht unterstützen möchte? Solidaritätsbeiträge sind mir noch bestens aus Zeiten der DDR-Diktatur bekannt. Immer wieder mal wurden dort solche Beiträge erhoben. Einfluss auf die Verwendung der Mittel, hatten die Menschen nicht. Diese fragwürdige Form von erzwungener Solidarität, so glaubte ich zumindest, wäre mit der friedlichen Revolution von 1989 überwunden gewesen. So kann man sich täuschen.

Auch Henryk M. Broder hat sich in seiner jüngsten Kolumne, dem Thema GEZ angenommen. Er spricht von „öffentlich-rechtlicher Arroganz wie beim ZK der SED“. Die ganze Verrücktheit der Regelung stellt er beispielhaft dar:

„Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit der Bahn von Berlin nach Leipzig fahren. Oder nach München, Köln, Schwerin. Und egal, wohin Sie fahren und wie lange Sie unterwegs sind, Sie müssen immer denselben Preis bezahlen.

Oder Sie gehen in ein Restaurant. Und noch bevor Sie sich hingesetzt und einen Blick in die Speisekarte getan haben, werden Sie schon zur Kasse gebeten. Verlassen Sie das Lokal, ohne etwas bestellt zu haben, behält der Wirt das Geld, denn Sie hätten ja etwas bestellen können.“

Lesen Sie hier die gesamte Kolumne.

Stefan Rochow twittert auf twitter.com/Stefan Rochow